Jalina Rubli - ein Portrait über unsere SwissSkills-Bronzemedaillengewinnerin

Jalina Rubli hat im Sommer erfolgreich die Lehre zur Gebäudetechnikplanerin Lüftung bei Vadea AG abgeschlossen und im Herbst an den SwissSkills den 3. Platz geholt. Das Baublatt hat Jalina zum Interview getroffen.

Gebäudetechnik plant die Frau

Die Gebäudetechnikplanung galt früher als Männerdomäne. Heute erobern sie immer mehr Frauen, darunter auch die 19-jährige Sankt Gallerin Jalina Rubli. Nach einer hervorragend abgeschlossenen Lehre als Planerin Lüftung hat sie weiterhin grosse Pläne.  

Interview und Text von Moana Miglio, Kauffrau in Ausbildung. Erschienen im "Schweizer Baublatt", Nr. 1/2019

 

In St. Fiden, einem Quartier im Kreis Ost der Stadt St. Gallen arbeitet die 19-jährige Gebäudetechnikplanerin Jalina Rubli bei der Vadea AG. Die Lehre mit Fachrichtung Lüftung hat Rubli im August 2014 begonnen und im August letzten Jahres mit Bravour beendet. Wie alle Schüler hatte sie sich in der Oberstufe intensiv mit der Berufswahl beschäftigt. Nach dem Schnuppern bei ihrem Onkel, der Gebäudetechnikplaner ist, war sie sich sicher, dass sie diese Lehre machen wollte.

Denn Rubli ist mathematisch und technisch begabt, was sehr wichtig für eine erfolgreiche Lehre in diesem Bereich ist. Für künftige Gebäudetechnikplaner und -planerinnen sind gute Leistungen in Geometrie, Mathematik und Physik Pflicht. Ein Steilpass für Rubli, deren Stärken schon immer in diesen Fächern lagen. Sie sagt denn auch ganz klar: «Wem Mathematik nicht liegt, für den ist dieser Job nichts!»

Jedes Projekt ist anders
Mit einem Lächeln erzählt Rubli, dass das, was sie macht, «kein 08/15-Job ist». Ihre Tätigkeit sei sehr abwechslungsreich, da sie mit vielen verschiedenen Leuten zusammenarbeite, dies intern sowie extern mit Architekten, Ingenieuren und der Bauherrschaft. Es sei eine Kombination zwischen Arbeit im Büro, auf der Baustelle und externen Besprechungen, wobei man während der Lehre mehrheitlich im Büro bleibe. «Es gibt immer wieder ein neues Projekt. Und kein Projekt ist gleich wie das andere, denn jedes hat seine eigenen Anforderungen und Hindernisse», so Rubli.

Gebäudetechnikplaner Lüftung klären welchen Anforderungen die Anlage genügen muss. Dafür werden individuelle Vorstellungen und Ansprüche sowie bauliche Gegebenheiten und gesetzliche Vorschriften berücksichtigt. Dann projektieren sie die Lüftungs- und Klimaanlagen. Eine Gebäudetechnikplanerin berechnet die Kosten der Anlage, erarbeitet Offerten und zeichnet die genauen Pläne für die Ausführung der Anlage, welche dem Montagepersonal als Arbeitsgrundlage dienen. Damit die Montagearbeiten reibungslos verlaufen, ist sie ab und zu auch auf der Baustelle tätig, um den Arbeitsablauf zu kontrollieren. Fertige Anlagen werden von ihr in Betrieb gesetzt.  

Technikflair ist auch weiblich
Früher war Gebäudetechnikplaner ein männerlastiger Beruf. Doch vieles hat sich nach Rublis Meinung geändert. Jetzt haben auch immer mehr junge Frauen Interesse an diesem Job. «Wir waren insgesamt zehn Lernende in der Berufsschulklasse. Zwei davon waren Frauen, mich eingeschlossen», sagt sie. Doch einige Frauen die gemeinsam mit ihr die Lehre begannen, hätten später abgebrochen. Die Gründe lagen zumeist in der sehr technischen Ausrichtung der Ausbildung, was den Kolleginnen zu spät bewusst wurde. Umso stolzer ist Rubli auf ihren Abschluss als eine der Besten ihres Jahrgangs. Denn das war ihr Ziel: Einen guten Abschluss machen, zu den Besten gehören und damit zu zeigen, dass Frauen für diesen Beruf genauso geeignet sind wie Männer, ja sogar besser sein können. «Die besten Lehrabschlüsse in den Gebäudetechnikplaner-Klassen gingen mehrheitlich auf das Konto der Frauen, obwohl diese in der Unterzahl waren.» 

Als Frau auf dem Bau respektiert
Rubli ist in ihrem Betrieb als Frau sofort akzeptiert worden, dies auch aufgrund der gut durchmischten Belegschaft. Diskriminiert hat sie sich bisher noch nie gefühlt. Doch sie weiss, dass dies passieren könnte. Wenn man als Frau alleine und mit einem Plan in der Hand auf einer Baustelle auftauche, habe man eine etwas andere Wirkung auf die Leute als ein Mann. «Als Frau muss man vielfach zuerst beweisen, dass man fähig ist und weiss, wie alles funktioniert», so Rubli. Es könne passieren, dass man als Frau anfangs nicht ernst genommen, belächelt oder falsch eingeschätzt werde.

Doch Rubli hat im dreimonatigen obligatorischen Baustellenpraktikum während der Lehrzeit gemerkt, dass eine Frau in der Baubranche durchaus auch Vorteile geniesst. Die Männer boten ihr immer bereitwillig Hilfe an, gerade um etwas Schweres zu tragen oder zu bringen, da sie schwächer war als die Männer. Die Grundeinstellung zu Frauen in der Baubranche habe sich in den letzten Jahren deutlich verändert, sagt Rubli. Die Leute würden nicht mehr denken, dass es unmöglich sei, als Frau in einem Männerberuf tätig zu sein. Sie blieben manchmal noch kritisch, seien jedoch viel offener als früher. 

Erfolg an den Swiss Skills
Meisterschaften gibt es heute in der Schweiz in fast 70 verschiedenen Berufen. Auch Rublis Beruf gehört dazu. Die junge Sankt Gallerin war besonders stolz, als einzige Gebäudetechnikplanerin Lüftung an den Swiss Skills 2018 teilnehmen zu können. Unter zwölf Lernenden erreichte sie den guten dritten Platz. Und wie hat es sich angefühlt, die Drittbeste zu sein? «Ich hatte die grösste Freude», antwortet Rubli strahlend. Die Stimmung an der Meisterschaft empfand sie als locker und lustig, es gab keinen verbissenen Konkurrenzkampf. «Jeder an dieser Meisterschaft übt seinen Beruf mit Stolz aus, sonst wäre er nicht da», so Rubli. Besonders positiv an der Meisterschaft war auch, dass sie viele neue Leute aus dem gleichen Beruf kennenlernen und neue Kontakte knüpfen konnte. Nach den Swiss Skills wurde Rubli überraschend häufig auf ihren dritten Platz angesprochen, und ganz unterschiedliche Personen hätten ihr gratuliert. Nie hätte sie erwartet, dass auch viele private Personen, die nichts mit der Branche zu tun haben, von ihrem Erfolg wussten. Rublis Familie war natürlich besonders stolz auf ihren Erfolg. Schliesslich hatten ihre Verwandte und Freunde sie bei ihrer Berufswahl unterstützt und waren immer hinter ihr gestanden. Seit Beginn ihrer Lehre, wurde sie auch von ihrer Firma sehr unterstützt: «Oft denke ich, dass ich viel Glück hatte, einen so guten Ausbildungsbetrieb gefunden zu haben.» 

Bald zum Studium nach Luzern
Rubli hat grosse Ziele – und mit ihrem Ehrgeiz wird sie diese bestimmt erreichen. Sie möchte noch ein halbes Jahr arbeiten und im Herbst 2019 die Fachhochschule in Luzern besuchen, um dort ein dreijähriges Vollzeitstudium in Gebäudetechnik zu absolvieren. Luzern ist aber nicht St. Gallen. Deshalb wird Rubli ihr gewohntes Umfeld sowie den geliebten Job aufgeben und sich eine eigene Wohnung in Luzern suchen müssen. Was die Zukunft anschliessend bringt, weiss sie noch nicht. Vielleicht kehrt sie nach Vollendung ihres Studiums zu ihrem jetzigen Arbeitsgeber zurück. Rubli ist neugierig und gespannt auf ihren neuen Lebensabschnitt, besonders auf die Zeit als Studentin in Luzern.

Lehre bei der Hälg Group

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